Das Zürcher Kongresshaus war voll besetzt, als Sika am 24. März die Generalversammlung 2026 ausrichtete. Die Anteilseigner liessen sich also von der mauen Performance des Bauchemiekonzerns nicht abschrecken. Im vergangenen Jahr gab die Sika-Aktie um rund ein Viertel nach und war damit der schwächste Titel im SMI®. Nach einem ordentlichen Start ins Jahr 2026 drehte der Zykliker erneut nach unten. Zum Ende des ersten Quartals steht Sika mit einem Kursabschlag erneut im SMI®-Tabellenkeller. Die von der Generalversammlung verabschiedete Dividende von CHF 3.70 je Anteilsschein, 2.8% mehr als im Vorjahr, ist da nur ein schwacher Trost. Seit im Mittleren Osten ein Krieg tobt, haben sich die Hoffnungen zerschlagen, wonach Sika in der laufenden Geschäftsperiode operativ durchstarten könnte. 2025 machte dem auf Chemikalien zum Verkleben, Abdichten, Dämpfen, Verstärken und Schützen spezialisierten Unternehmen unter anderem die Immobilienflaute in China zu schaffen – Umsatz und Ergebnis sind geschrumpft (siehe Grafik).
Am Tag der Generalversammlung hat sich CEO Thomas Hasler in einem Interview mit Reuters ausführlich zu den Folgen der jüngsten geopolitischen Eskalation geäussert. Er musste die Erwartungen für das laufende Jahr leicht anpassen. Hasler geht davon aus, dass Umsatz und Ergebnis in der Mitte oder im unteren Bereich des ausgegebenen Korridors landen werden. Sika hat sich vorgenommen, den Umsatz 2026 in Lokalwährungen um 1% bis 4% zu steigern. Gleichzeitig soll die operative Marge (Stufe EBITDA) im Bereich von 19.5% bis 20% liegen. Im Februar hatte der Top-Manager nach eigenen Worten noch das Erreichen des Korridors oder im besten Fall sogar ein Übertreffen der Ziele für möglich gehalten. Doch nun hat Sika einmal mehr mit steigenden Transport- und Rohstoffkosten zu kämpfen. Der Branchenriese hat darauf laut Hasler bereits mit Preiserhöhungen reagiert.
Neben dem Kostendruck stellen die drohende Konjunkturflaute sowie die Gefahr steigender Zinsen ein Risiko für das Unternehmen dar, dessen Kunden überwiegend aus dem Bau sowie der Automobilindustrie kommen. Noch sieht der CEO keine Notwendigkeit, das Kostensenkungsprogramm auszuweiten. Bis 2028 möchte Sika CHF 150 bis 200 Mio. einsparen. «Es gibt keine Pläne, Stellen abzubauen oder Werke zu schliessen, da kein Nachfragerückgang vorliegt, der dies rechtfertigen würde», sagte der CEO. Bis dato sähe es nicht danach aus, dass Kunden Projekte stornieren möchten. «Die Bauarbeiten gehen weiter, auch im Nahen Osten», erklärte Hasler. Allerdings könnte sich das ändern, falls der Konflikt länger dauern sollte. Positiv bleibt für Sika der mit dem Vormarsch der Künstlichen Intelligenz (KI) einhergehende Boom bei Rechenzentren. Laut Hasler ist der Konzern aktuell an rund 400 solchen Projekten beteiligt. Folgerichtig könnte der Anteil dieses Geschäfts von 4% im vergangenen Jahr auf 5% in der laufenden Periode steigen.
Dieser Hoffnungsschimmer kann nichts an der prekären Situation der Sika-Aktie ändern. Mit dem Kurseinbruch haben die Preisausschläge des Large Caps enorm zugenommen. Die 3-monatige implizite Volatilität (at-the-money) fällt annähernd so hoch aus wie vor einem Jahr. Anfang April 2025 hatten die US-Zollankündigungen, Stichwort «Liberation Day», für ein Börsenbeben gesorgt. Die starke Schwankungsbreite schlägt auf die Konditionen von Barrier Reverse Convertibles durch. Mit dieser Struktur können Anleger de facto als Verkäufer von Volatilität agieren. Ein neuer softcallable BRC auf Sika bringt einen hohen Coupon von 9% p.a. mit. Die Barriere liegt bei 65% des Anfangslevels. Natürlich haben diese Parameter eine Kehrseite: Mit der erhöhten Volatilität geht die ausgeprägte Gefahr der Schwellenverletzung einher.
Auch im Segment der Hebelprodukte spielt die Volatilität eine wichtige Rolle. Klassischerweise besteht beim Warrant ein starker Zusammenhang zwischen der Kursschwankungsbreite und dem Preis des Produkts. Während die Volatilität beim Mini-Future praktisch keine Rolle spielt, ist ihr Einfluss auf den Warrant mit Knock-out (Turbo) sehr gering. Leonteq deckt das ganze Spektrum ab. Das Zürcher Fintech handelt in Summe knapp 200 Hebelpapiere auf Sika.
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