Wenn es um das Schlagwort «Künstliche Intelligenz» (KI) geht, denken die meisten Anleger zunächst an US-Technologieunternehmen wie den Halbleiterkonzern Nvidia, den Internetriesen Amazon.com oder das Softwareimperium Microsoft. Mit Vertretern der Spezialchemie wird dieser Megatrend dagegen eher selten in Verbindung gebracht. Und doch dürfte die KI ein Stück weit daran beteiligt gewesen sein, dass Clariant in den vergangenen Tagen an der Börse ein Lebenszeichen lieferte. Innerhalb einer Woche verteuerte sich der gebeutelte Mid Cap um 6.5%. Zuvor hatte das Unternehmen einen zehnjährigen Vertrag mit SECCO Petrochemicals über die Lieferung von «CLARITY Prime Digital Services» abgeschlossen. Das chinesische Unternehmen wird die Plattform in seiner Ethylanlage in Shanghai installieren. Dort soll sie mithilfe der KI die Leistung der Katalysatoren optimieren und dadurch Zuverlässigkeit, Sicherheit und Profitabilität der gesamten Anlage verbessern.
Schon bei der Vorlage der Quartalszahlen Ende Oktober war Clariant-Chef Conrad Keijzer in puncto KI regelrecht ins Schwärmen geraten. Diese Technologie zeige im Unternehmen enorme Fortschritte. «Generative KI entwickelt wirklich neue Formulierungen», sagte der CEO. Zudem berichtete er von einem zweistelligen Wachstum bei Flammschutzmitteln, die in Hochspannungskabeln für Rechenzentren und Elektrofahrzeuge verwendet werden – auch hier sei die KI der Treiber. Natürlich kann diese positive Entwicklung den Spezialchemiekonzern als Ganzes nicht aus seiner misslichen Lage befreien. Wie ein Klotz am Bein wirken mehrere Schadenersatzklagen. 2020 wurde Clariant zusammen mit drei weiteren Unternehmen von der EU für ein Einkäuferkartell im europäischen Ethylenmarkt geahndet. Zuletzt zogen BP Europe und ExxonMobil gegen das Quartett vor Gericht. Sie fordern in Summe Schadenersatz von nahezu EUR 2 Mrd.
Clariant wehrt sich vehement gegen die Anschuldigungen und möchte beweisen, dass die beanstandeten Praktiken keine Auswirkungen auf den Markt hatten. An der Börse bremsen die Verfahren den SMIM-Titel dennoch aus. Hinzu kommt, dass der Konzern mit einem schwierigen operativen Umfeld zu kämpfen hat. Die Kundschaft – sei es aus der Industrie oder dem Konsumgütersektor – hält sich beim Einkauf zurück. Auf der Umsatzseite macht Clariant zudem ein starker Schweizer Franken zu schaffen: In den ersten neun Monaten 2025 schrumpften die Erlöse um 6% auf knapp CHF 2.9 Mrd. In Lokalwährungen betrug der Rückgang 1%. Fortschritte konnte der Konzern dagegen auf der Gewinnseite verbuchen. Das operative Ergebnis (Stufe Ebitda) vor Einmaleffekten nahm um 4% auf CHF 521 Mio. zu. Dadurch stieg die Marge um 160 Basispunkte auf 18.0%. «Dieses Ergebnis unterstreicht den Erfolg unserer Performance-Programme sowie unseres effektiven Preis- und Kostenmanagements in allen Geschäftsbereichen», kommentierte der CEO die aktuellen Zahlen.
An der Prognose für das Gesamtjahr hält Keijzer fest. Neben einer Ebitda-Marge von 17% bis 18% stellt er – in Lokalwährungen – ein Umsatzwachstum zwischen 1% und 3% in Aussicht. Allerdings hat der Top-Manager den Ausblick zuletzt eingeengt; er rechnet mit einer Steigerung am unteren Ende der ausgegebenen Spanne. Analysten trauen Clariant die Zielerreichung zu. Laut dem vom Unternehmen selbst veröffentlichten Konsens erwarten sie für 2025 im Schnitt eine Ebitda-Marge von 17.5%. In den kommenden beiden Jahren soll die Profitabilität weiter steigen (siehe Grafik). Trotz dieser Aussichten und obwohl das Kurs-Gewinn-Verhältnis (2026) mittlerweile einstellig ist, hängt die Clariant-Aktie auch nach dem jüngsten Lebenszeichen im Abwärtstrend fest.
Auf eine Bodenbildung können Anleger mit einem neuen Soft-Callable Barrier Reverse Convertible setzen. Bei der auf CHF lautenden Emission beträgt der garantierte Coupon 8% p.a. Die Barriere liegt bei 59% des Anfangslevels. Solange der Basiswert nicht auf oder unter diese Marke fällt, zahlt Leonteq das Nominal nach dem Ende der Laufzeit vollständig zurück. Geht das Kalkül nicht auf, wäre das Investment dem vollen Kursrisiko des Mid Caps ausgesetzt.
Anleger mit einer Vorliebe für kurzfristigere Positionen werden im Hebelprodukte-Sortiment von Leonteq fündig. Mini-Futures und Warrants ermöglichen es, die Fortsetzung der jüngsten Gegenbewegung von Clariant ins Kalkül zu ziehen. Genauso gut können Trader mit Short-Produkten respektive Puts auf neue Kursverluste spekulieren.
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