Die Geopolitik hat die Aktienmärkte einmal mehr aus dem Tritt gebracht. Nachdem die USA Ende Februar zusammen mit Israel einen Angriff auf den Iran gestartet hatten, nahm die Nervosität an den Börsen deutlich zu. Vor allem der Ölpreisschock schürte Befürchtungen, dass der globale Wirtschaftsmotor ins Stocken geraten könnte. Neben den makroökonomischen Prognosen haben die stark gestiegenen Energiepreise die geldpolitischen Szenarien umgestossen. Das gilt auch und gerade für die USA. Bis zum Beginn des Krieges im Nahen Osten hatten die Märkte fest mit weiteren Zinssenkungen durch das Fed gerechnet. Jetzt gehen sie davon aus, dass die US-Notenbank die Füsse bis mindestens Ende Jahr stillhält. In Europa stehen angesichts des wachsenden Inflationsdrucks sogar Zinserhöhungen im Raum.
Es gibt Sektoren, denen diese Konstellation nur wenig anhaben konnte. Gefragt waren in den vergangenen Wochen unter anderem die Aktien von Unternehmen, die im Bereich regenerative Energie aktiv sind. Aus gutem Grund: Mit Wind-, Sonnen- und Wasserkraft können Länder, die selbst nicht über fossile Brennstoffe verfügen, ihre Abhängigkeit verringern. Ganz zu schweigen von der Bedeutung der «Erneuerbaren» für die Dekarbonisierung respektive den Kampf gegen den Klimawandel. Dreiundzwanzig Öko-Strom-Spezialisten bringt der Swissquote Green Energy Index zusammen. Um für eine Aufnahme in diese Benchmark in Frage zu kommen, müssen Aktien zunächst bestimmte Handelskriterien erfüllen. Neben einer Marktkapitalisierung von CHF Mio. 100 zählt dazu das durchschnittliche tägliche Handelsvolumen von rund CHF 100'000. Im nächsten Schritt wählen die Swissquote-Experten die Unternehmen mit einem möglichst starken Bezug zu erneuerbaren Energien aus.
Einen Schwerpunkt bildet im Swissquote Green Energy Index die Windkraft. Auf der einen Seite sind die Turbinenhersteller Vestas Wind Systems, Nordex, GE Vernova und Goldwind enthalten. Hinzu kommt mit Orsted der weltweit grösste Projektierer und Betreiber von Offshore-Windparks. Der dänische Konzern arbeitet an der Stärkung seiner Bilanz. Zu diesem Zweck hat Orsted Anfang Februar den Verkauf des europäischen Geschäfts mit Windparks an Land (onshore) für EUR Mrd. 1.44 angekündigt. Eine wichtige Rolle spielen im Swissquote Green Energy Index auch die Versorger. Neben europäischen Stromlieferanten wie Verbund, Fortum, Iberdrola oder Enel hat es beispielsweise NextEra Energy, das grösste Unternehmen für Stromversorgung und Energieinfrastruktur in Nordamerika, durch den Auswahlprozess geschafft. Der Konzern aus Florida betreibt im grossen Stil Wind- und Sonnenkraftwerke sowie Batteriespeichersysteme.
Sprichwörtlich energiegeladen präsentierte sich zuletzt auch der Migros Bank Clean Energy Index. Im ersten Quartal 2026 legte diese Themenauswahl um 15% zu. Der vor gut fünf Jahren lancierte Index fährt einen mit dem Swissquote-Pendant durchaus vergleichbaren Ansatz. Aus quantitativer Sicht legen die Experten der Migros Bank die Latte allerdings etwas höher: Es können nur Aktien mit einer Marktkapitalisierung von mindestens USD Mio. 500 aufgenommen werden. Zuletzt hat der Migros Bank Clean Energy Index von einem «Going Private» profitiert. Die kanadische Boralex hat sich mit zwei Finanzinvestoren auf einen Verkauf sowie den Rückzug von der Börse verständigt. Der Aktienkurs des in Nordamerika und Europa aktiven Ökostromproduzenten hatte schon im Vorfeld dieser Nachricht abgehoben. Seit dem Jahreswechsel steht hier ein Kursplus von 45% zu Buche. Dem Namen «Clean Energy» trägt das Migros-Bank-Barometer nicht nur in puncto Stromerzeugung Rechnung. Mit Severn Trent zählt auch ein Spezialist für Wasserversorgung und Abwasseraufbereitung zu den Mitgliedern. Das britische Unternehmen versorgt 4.6 Mio. Kunden Tag für Tag mit insgesamt 2.0 Mrd. Litern Trinkwasser. Severn Trent nutzt seine Standorte auch zur Stromerzeugung mit Solarpanelen, Windrädern und Biogasanlagen. Dieser Mix kommt an der Börse gut an: Die zum FTSE 100 zählende Aktie von Severn Trent notiert auf Rekordniveau.
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