Sei es bei der Ernährung, im Sport, in der Kultur oder bei der Kleidung: Menschen haben Vorlieben. Natürlich gilt das auch für die Trader. Bei der Jagd nach kurzfristigen Renditen setzt dieser Anlegertyp gerne Hebelprodukte ein – und hat Vorlieben. An der SIX Swiss Exchange sind insgesamt mehr als 88'000 solche Vehikel kotiert. Bei rund 60 % davon handelt es sich um Warrants. Hinzu kommen Mini-Futures und Warrants mit Knock-out, mit Anteilen von einem Fünftel beziehungsweise knapp 14 %. Im kleinsten Teilsegment der Hebelprodukte tut sich etwas. Leonteq hat damit begonnen, Constant-Leverage-Zertifikate zu lancieren. Damit rundet das Zürcher Fintech eine bereits aus mehr als 23'000 Warrants, Mini-Futures und Warrants mit Knock-out bestehende Palette ab.
Constant-Leverage-Zertifikate folgen der täglichen Kursbewegung eines Basiswertes. Wie der Name sagt, wird die Wertentwicklung mit einem konstanten Hebel abgebildet. Möglich ist eine Positionierung sowohl auf der Long-Seite (Erwartung: steigender Kurs) als auch auf der Short-Seite (Erwartung: fallender Kurs). Anleger können somit aus ihrer Einschätzung zur kurzfristigen Entwicklung bestimmter Aktien oder Indizes eine gezielte Trading-Position aufbauen. Das Prinzip ist einfach: Steigt bei einem Long-Constant-Leverage-Zertifikat mit Faktor 2 der Basiswert um 5%, verteuert sich das Produkt um 10%. Bei der Short-Variante mit identischem Faktor entsteht auf Tagesbasis ein Gewinn von 10%, sobald der Basiswert um 5% nachgibt. Wichtig: Der Hebel wirkt in beide Richtungen. Gibt also beispielsweise der Basiswert bei einem Long Constant Leverage-Zertifikat mit Faktor 2 um 5% nach, büsst das Produkt ein Zehntel seines Wertes ein. Es kann zu hohen Verlusten bis hin zum Totalverlust kommen, wenn sich die zugrunde liegende Einschätzung nicht erfüllt.
Der Kapitalwert bildet den aktuellen Gesamtwert des Zertifikats ab und bestimmt, wie viel Geld der Anleger bei einem Verkauf oder einer Ausübung erhält, da die Laufzeit unbegrenzt ist und das Zertifikat nicht ordentlich verfällt. Im Kern setzt sich dieser Kapitalwert aus zwei Bausteinen zusammen: Der erste ist die Hebelkomponente, die die tägliche Kursbewegung des Basiswerts gegenüber dem Vortagesschlusskurs exakt mit dem konstanten Faktor multipliziert. Der zweite Baustein ist die Finanzierungs- beziehungsweise Zinskomponente für die nötige Kapitalaufnahme oder -anlage, die den Wert durch tägliche Zinsen, Kosten und Berechnungsgebühren tagtäglich leicht beeinflusst. Dass der Hebel auf diese Weise konstant gehalten wird, erfolgt über eine automatische Anpassung und Verkettung des Kapitalwerts – und genau diese tägliche Verkettung führt direkt zu einer entscheidenden Besonderheit: der Pfadabhängigkeit. Die Pfadabhängigkeit geht auf die Berechnung des Kapitalwerts auf Basis der täglichen Wertentwicklung zurück. Massgeblich ist jeweils der Referenzkurs des Basiswerts. Diese Vorgehensweise führt zu einer Verkettung. Das heisst, nicht nur der aktuelle Referenzkurs, sondern auch dessen Verlauf bis zum jeweiligen Stichtag nimmt Einfluss. Daher ist es möglich, dass ein Constant Leverage-Zertifikat im Zeitverlauf an Wert verliert, obwohl sich der Basiswert per Saldo seitwärts entwickelt hat. Die Tabelle veranschaulicht die Pfadabhängigkeit.
Nach zwei schwachen Tagen dreht der Basiswert nach oben und holt die vorhergehenden Verluste komplett auf. Das Constant Leverage-Zertifikat steht am fünften Tag dennoch deutlich unter dem anfänglichen Niveau. Das Produkt nimmt überproportional an den beiden negativen Handelssitzungen teil und steht auf einem vergleichsweise tiefen Niveau, sobald der Basiswert zum Rebound ansetzt. Daher müsste der Basiswert überproportional zulegen, damit das Zertifikat den Ausgangswert wieder erreicht. Im Beispiel gelingt das nicht.
Es ist wichtig, weitere Besonderheiten des Constant-Leverage-Zertifikats zu kennen. Zum einen gibt es bei dieser Struktur für bestimmte Basiswerte eine Kursschwelle. Sie liegt bei einem Long-Produkt deutlich oberhalb des Referenzkurses, bei der Short-Variante entsprechend tiefer. Sofern der Basiswert die Kursschwelle erreicht oder überschreitet (Long) respektive erreicht oder unterschreitet (Short), wird an diesem Handelstag kein Kapitalwert ermittelt. Bei aussergewöhnlich starken Marktbewegungen wird die Festlegung also auf den nächsten Tag verschoben. Um der Gefahr von Totalverlusten entgegenzuwirken, ist bei Constant-Leverage-Zertifikaten auch eine Anpassungsschwelle eingebaut. Sie liegt bei Long-Produkten unterhalb, bei Short-Papieren oberhalb des aktuellen Referenzpreises. Sobald die Schwelle erreicht respektive über- oder unterschritten wird, erfolgt eine untertägige Anpassung. Dabei wird ein neuer Kapitalwert festgelegt. Angenommen, der Basiswert eines Long Constant Leverage-Zertifikats mit Faktor 4 bricht an einem Handelstag um 25% ein. Rein rechnerisch würde der Wert des Produkts auf 0 fallen. Wegen der um 20% unter dem Referenzpreis liegenden Anpassungsschwelle kommt es nicht so weit. Vielmehr wird für dieses Produkt untertägig ein neuer Kapitalwert fixiert. Diese Praxis ändert allerdings nichts daran, dass der Anleger mit hohen Verlusten rechnen muss, die dem Totalverlust nahekommen können.
Noch Fragen? Wünschen Sie weitere Informationen? Wir helfen Ihnen gerne weiter unter 058 800 11 11, unter info@leonteq.com oder kontaktieren Sie uns hier.